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Schön

Erwachsen werden mit Sonnenbrille!

Neulich fiel mein Blick in eine meiner vielen, weißen Kisten  und biss sich darin fest.
Eine Holzschatulle voller Sonnenbrillen. Runde, eckige, verspiegelte und verbeulte … ja wirklich, sogar verbeulte.
Bügel mit Knick und Gläser mit Schramme. Seit ich über ein eigenes Einkommen verfüge, sammele Sonnenbrillen. Nie wirklich kostbare Stücke, Modeartikel eben. Trendfarben und Trendformen und irgendwann landen sie in der Schublade, oder im Handschuhfach meines Autos.

Ich fand auch eine in der Tasche eines Mantels, den ich seit Jahren nicht getragen habe!
Ich hatte die Brille jahrelang nicht eine Sekunde lang vermisst.
Wie wichtig ist eine Sonnenbrille, die kein Mensch vermisst, fragte ich mich?
Völlig unwichtig, antwortet ich mir selbst.
„Solltest du nicht langsam mal anfangen, dir eine wichtige Sonnenbrille zu kaufen?“
„Du meinst eine richtige Sonnenbrille…“ antwortete ich meiner inneren Stimme.
„Nein, ich meine eine wichtige Sonnenbrille“ antworte die Stimme.
„Damit ich wichtig aussehe?“
„Nein, damit du dich wichtig nimmst“ knarzte die Stimme leicht genervt zurück!
„Also eine teure Sonnenbrille?“
„Ja, himmelherjeh! Ein bisschen was anlegen solltest du tatsächlich. Du bist in einem Alter in dem Schluss ist mit billigen Sonnenbrillen.“
„Sehr charmant“, knurrte ich und drohte meiner inneren Stimme an, meine Gedanken in ein anderes Thema zu versenken.
„Ich könnte an Pommes denken oder 2 Meter lange Weichfaserplatten, Zapfsäuleneinfüllstutzen oder Tulpenzwiebeln … dann musst du mitsamt deinen Sonnenbrillen aus meinem Kopf verschwinden!“
Aber es half nichts. Meine Gedanken hingen am Haken. Was wäre wenn meine innere Stimme recht hätte?

Ich nahm mir vor erwachsen zu werden und einen guten Optiker aufzusuchen!
Einer der mich in Ruhe aussuchen lässt und wo mich beim Probieren nur mein eigenes Spiegelbild anschaut und nicht den Verkäufer der mir gegenüber sitzt und mit den Fingern trommelt.

Wenn ich in München in der Innenstadt einkaufen gehe, parke ich immer in der Galeriestrassse.
Obwohl immer alles rappelvoll ist, finde ich dort jedes Mal (!) einen Parkplatz.
Wenn ich mein Auto abgestellt habe, gehe ich durch den Hofgarten in Richtung Theatertinerstrasse und bin zack! mitten drin in einer der schönsten Einkaufmeilen Europas.

Als ich neulich mein Auto parkte, ging ich ausnahmsweise nicht durch den Hofgarten, sondern außen herum über die Ludwigstrasse. 
Es war heiß an diesem Tag.  Überall saßen die Menschen in der Sonne und tauchten Strohalme in große Gläser mit Eiskaffee und sämtliche Läden auf meiner Straßenseite hatten die Türen weit geöffnet.
Mein Blick fiel auf einen Kartenständer, der direkt neben einer dieser offenen Eingangstüren stand.

Sollte das ein Zufall sein?
Ich wurde das Gefühl nicht los, dass meine freche, innere Stimme hier die Karten gemischt hatte. Ich war ja wild entschlossen mir einen Optiker zu suchen, aber ich hatte noch so viel Wichtigeres zu tun.
Ich schaute über den Kartenständer in den Laden hinein und sah was?
Genau!
Brillen!

Also los, Martina! Jede Frau braucht eine Statementsonnenbrille.
Geh da jetzt rein! Jackie O. hatte schließlich auch eine und Audrey Hepurn auch.
Eine richtig gute Handtasche hab ich mir schon vor längerer Zeit gegönnt.
Warum nicht also auch endlich eine richtig wichtige Sonnenbrille.


Der Laden heißt Freudenhaus und verkauft tatsächlich (nur) Brillen. 
Warum auch nicht, denn schließlich sollen die ja Freude machen.
Ich probierte mich durch die Schubladen und fand auf Anhieb eine ganze Reihe Modelle, die mir richtig gut gefielen.
Verspiegelte Gläser finde ich toll und hier gab es alle Formen und Farben.

Freudenhaus! … Freudenhaus?
Erstaunlicherweise löste der Name in meinem Gedächtnis ein klingeln aus, das sich noch verstärkte, als ich einen Mann in einem schwarzen Hemd am Ende des Raums sah!
In meinem Kopf ratterte es und graue Erinnerungsfetzen setzen sich zu einem farbigen Bild zusammen.
Ich kannte diesen Mann.

Aber es birgt stets ein gewisses Risiko,  Menschen anzusprechen die man sehr, sehr lange nicht gesehen hat.
Drei Szenarien sind möglich:
a) Sie erkennen dich und machen nette Komplimente. Das ist angenehm.
b) Sie tun als ob sie dich erkennen und stammeln ein  „Du-hast-dich-üüüüüberhaupt-nicht-verändert“. Das ist dann zwar gelogen und fühlt sich nicht so gut an wie a) aber deutlich besser als c)
Denn in Version c)  haben sie nicht die Spur einer Ahnung, wer du bist und dafür gibt es zwei Gründe. Sie haben entweder ein grottenschlechtes Gedächtnis oder du siehst grottenschlecht aus. Eine Mischung aus beidem ist auch möglich.
Ich entschied mich trotzdem den Mann im schwarzen Hemd anzusprechen und jedwedes Szenario mutig anzunehmen.

Und soll ich euch was sagen?
Es dauerte nur Augenblicke, bis wir beide wussten woher wir uns kannten. Peinliche Momente blieben völlig aus und wir amüsierten uns köstlich.
Es waren nämlich einmal … zwei Jungs in Schwabing!
Uwe Pinhammer  -das ist der mit dem schwarzen Hemd-  und Stefan Flatscher.  Die arbeiteten in einem Optikergeschäft auf der Leopoldstrasse. Sie wollten aber so gern ein eigenes Geschäft um den ganzen Tag schöne Brillen zu verkaufen. Eigenkapital eher null, aber dafür eine Vision. Der Laden sollte Freudenhaus heißen, weil es ein Haus voll Freude sein würde …
Und so geschah es!
Die Jungs fanden ein grandioses Ladenlokal,  ein echtes Schwabinger Immobilien-Sahnestück. Sie überredeten den Vermieter die Kaution zu stunden,  verschuldeten sich bis über beide Ohren …
und machten das erste Freudenhaus auf.
Und genau dort saß ich vor unzähligen Jahren bei der Geschäftseröffnung auf einem eleganten Sitzkissen und aß ein paar leckere Häppchen.  Gute Getränke gab es auch und als nur noch ein kleiner Kreis der Gäste übrig war, redeten wir bis sehr tief in die Nacht über unsere Ziele im Leben und die Visionen die wir alle hatten.

Ist das nicht wunderbar, dass es bei den Herren Flatscher und Pinhammer so grandios geklappt hat? 
Heute gibt es vier große Läden in München in allerbester Lage und eine eigene Kollektion mit dem Namen FHone, die überall bei guten Optikern verkauft wird.

Vor lauter Begeisterung über das coole Freudenhaus hätte ich beinahe meine Brille vergessen.
Es blieb bei dem Modell, das ich als erstes anprobiert hatte, obwohl danach noch dutzende auf meiner Nase gelandet waren. Die erste war gleich die richtige. Nun bin ich stolz auf meine erste, wichtige Sonnenbrille und
-ihr werdet es nicht glauben-  ich lege sie jetzt sogar ins Etui bevor ich sie in meine Handtasche schubse.

Aber mindestens genau so schön wie meine neue Sonnenbrille finde ich die Erfolgsgeschichte, die mir Uwe Pinhammer erzählt hat.
Ich mag solche Geschichten. Aus erster Hand   -und wenn sie strahlend vorgetragen werden-   sind sie am allerschönsten.
Da hat jemand an etwas geglaubt und ist mit Erfolg belohnt worden. Nicht mit einem kurzen Erfölgchen, sondern mit solidem, guten Erfolg. Mit Bestlage, eigener Kollektion, mehreren Läden und gewachsener Kundschaft.
Und das ganze trotz den frechen Namens. Oder gerade deswegen?
Herzlichen Glückwunsch, Freudenhaus! Ich freu mich für dich mit!

By Martina Goernemann, 7. Juli 2017
  • 13
13 Comments
  • eclectichamilton
    7. Juli 2017

    Liebe Martina, ich liebe solche Geschichten. Und wenn ich das nächste Mal eine neue Brille brauche, möchte ich ganz unbedingt ins Freudenhaus! Mit dir gemeinsam natürlich! Das wird ein Spaß.
    Liebste Grüße von Ines

  • Ute S.
    7. Juli 2017

    Guten Morgen liebe Raumseelen,
    was für eine schöne Geschichte Martina!
    Die Brille ist ja der Hammer…..
    Würde mir auch sehr gut gefallen.
    Bei mir ist es ja so, das ich eine Brille mit Sehstärke , also Gleitsicht, brauche. Da überlegt man sich schon zweimal ob man eine neue kauft. Das ist dann schon recht teuer. Früher , als ich noch Adleraugen 🙂 hatte, kam ich leider gar nicht auf die Idee mir öfter eine neue schöne Sonnenbrille zu kaufen. Sehr schade….
    Ich habe mir erst vor ca. zwei Jahren eine neue Brille und Sonnenbrille gekauft. Aber irgendwie habe ich schon wieder das Gefühl das die Sehstärke nicht mehr stimmt . 🙁
    Vielleicht sollte ich das heute mal beim Optiker überprüfen lassen….
    Ich wünsche euch allen einen schönen Freitag
    Herzliche Grüße von der Mosel
    Ute

    • Martina Goernemann
      7. Juli 2017

      … meine neue Sonnen-Brille ist mit clip! Ich könnte also geschliffene Gläser dahinter „verstecken“ :-)))))

    • wasmachstdueigentlichso
      7. Juli 2017

      Liebe Ute,
      so geht es mir auch. Ich muss demnächst mal wieder zum Lieblingsoptiker. Und dann gibt es wieder eine mit und eine ohne Sonne.
      Und liebe Martina, ich werde mal mein Brillenfach aufräumen, da sind auch noch sehr lustige Modelle versteckt.
      Viele Grüße an alle, habt einen guten Wochenendanfang
      Ilka

  • Felicitas
    7. Juli 2017

    hallo Martina, das ist eine Geschichte wie ich sie mag! und die Sonnenbrille schaut sehr gut, stylish und scharf aus. wenn ich mal in München bin, führt mich mein Weg sicher ins Freudenhaus! danke!
    sonnigen Gruß aus Wien
    Felicitas

  • Anita
    7. Juli 2017

    Liebe Martina, ich hab gestern meine erste „wichtige“ und „richtige“ Sonnenbrille beim Optiker gekauft. Bisher hatte ich so „Mittelklasse“ – Brillen, ohne dass ich auf die Marke geschaut hätte. Eine kleine Brillensammlung aus früheren Jahren nenne ich auch mein eigen… die sind noch gut für den Fasching geeignet…(wenn ich als Hippie gehe *gg* Freu mich sehr über meine Brille und hoffe, dass sie lange hält! Liebe Grüße Anita

  • Monika
    7. Juli 2017

    Liebe Martina!
    Wieder eine so schöne Geschichte von dir. Ja, manchmal ist es schon so. Man muss nur intensiv an etwas denken oder sich wünschen und dann passien ganz viele Dinge in die richtige Richtung.
    Wirklich schön deine neue Sonnenbrille.
    Ich mag Sonnenbrillen auch sehr gerne, hatte aber viele Jahre keine, weil ich ja eine optische Brille habe und da braucht man dann halt auch eine opitsche, teure Sonnenbrille. Aber letztes Jahr hatte mein Optiker so eine tolle Aktion mit Brille kaufen und eine zweite dazu und da hab ich zugeschlagen. Und seitdem bin ich stolzer Besitzer einer optischen Sonnenbrille. Und ich liebe sie sehr.
    Ich fahre morgen auf Urlaub, werde aber ganz sicher immer wieder mal mitlesen.
    Dir und allen Raumseelen eine schöne Zeit,
    liebe Grüße Monika

  • Caro
    7. Juli 2017

    Hallo Martina, bei mir gibt es komischweise ein Phänomen, dass billige Sonnenbrillen endlos bei mir bleiben lässt, während die teuren sich bisher IMMER nach kurzer Zeit aus dem Staub machen! Meist bleiben sie einfach irgendwo liegen wo es ihnen gerade gut gefällt und warten auf einen neuen Besitzer. Die Billigen wissen wohl, dass sie niemand mitnehmen wird und bleiben mir treu ;-). Ich habe es aufgegeben und außerdem….wer will schon erwachsen sein ;-).
    Geschichten dieser Art, wie du sie geschrieben hast, liebe ich sehr. Zeigt sich da ja einmal mehr, dass einer meiner tiefsten Glaubenssätze war ist: Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.
    Ich glaube übrigens, dass ich euch in drei Wochen interessantes von der Testfront zu berichten habe….soviel vorweg….
    Liebe Grüße mit Blick auf die Berge
    Caro

  • Katrin
    7. Juli 2017

    Hallo ihr Lieben!
    Nach sehr turbulenten drei Wochen haben heute Mittag nun endlich die Ferien bei uns begonnen:)
    Äußerst angenehm:)

    Das Freudenhaus sieht wunder- wunderschön aus (-und diese Karten sind auch ein Hammer!) …- sollte ich doch mal nach München kommen, habe ich nun schon neben „Manufaktum“, der wunderschönen Parfumabteilung aus der Gertruds „Irlandduft“ kommt und „einfach so flanieren“ einen weiteren Fixpunkt:)!
    Letztens, als ich mir meine neue Kontaktlinse kaufen musste (nachdem mein Töchterchen die eine ja mit einer Muschel auseinandergeschossen hatte), schwirrte ich auch immer um die Luxussonnenbrillen herum. Konnte mich letzten Endes aber doch nicht dazu entschließen soviel Geld dafür dort zu lassen…
    Tja, vielleicht werde eines Tages auch ich mal erwachsen genug und gönne mir so ein Stück;-)!!

    Ich sende euch allen ganz liebe Juligrüße:)
    Herzlichst
    Katrin

  • gertrud carey
    7. Juli 2017

    Liebe Raumseelen, liebe Martina
    Ich liebe solche Geschichten, einen Traum zu haben, eine Portion Mut dazu, und daran zu glauben, der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Die Iren sagen ja “ A Dream can come true“. Ich gönn es den beiden Herren von Herzen, und es würde mich wirklich interessieren, wie es zum Namen “ Freudenhaus“ gekommen ist, dahinter würde ich jetzt nicht unbedingt ein Brillengeschäft vermuten…
    Martin, das Holzkistchen wo Du Deine Brillen versorgt hast, ist ein sehr hübscher Hingucker.

    So ich setz jetzt meine Sonnenbrille auf, die ich letzte Woche bei F…..gekauft habe, und geniesse den Sommer auf meinem kleinen Balkon.
    Habt es alle gut meine Lieben, happy day
    gertrud

  • Silke aus DD
    9. Juli 2017

    Sehr cool dein neues „Schätzchen“ – liebe Martina – und der Herr im schwarzen Hemd sieht auch sehr sympatisch aus. Schön, wenn man in Ruhe schauen kann, nicht auf Schritt & Tritt „verfolgt“ wird und trotzdem eine gute Beratung bekommt.
    GLG Silke

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