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Martina Goernemann

Mein Name ist Martina Goernemann und ich meine es wörtlich, wenn ich sage: „Ich wohne für mein Leben gern!“ Neuerdings backe ich auch für mein Leben gern! Brot!
Nicht einfach Brot, sondern gutes, ehrliches Sauerteigbrot.
Als ich meinen ersten Sauerteigstarter züchtete, wusste ich sofort, dass diese Erfahrung mein Leben sehr verändern würde. Klingt merkwürdig? In meinem neuen Buch werde ich es beweisen.

Als der Sauerteig in mein Leben trat, hatten das Leben und ich bereits eine ganze Reihe Veränderungen hinter uns.
Es gab eine Zeit, da fanden meine Tage vor allem in Fernsehstudios statt. Ich saß mehr in Flugzeugen als auf meinem Sofa. Ständig in Eile, stets unter Strom. Vergaß oft meine Freunde, aber niemals, wann ich wo im Studio sein musste. Ich hatte herrliche Begegnungen mit unvergesslichen Menschen und Lehrmeister, die wie ein Sechser im Lotto waren.
Ich liebte es, mir Sendungen auszudenken, die das Publikum berührten. Ich habe Vermisste im Fernsehen gesucht und gefunden, Erbschaften an ihre verschollenen Besitzer vermittelt und Quizsendungen produziert, denen ich mein ganzes Wissen über bayerische Handstickereien im 19. Jahrhundert und Vincent van Gogh verdanke. Ich habe mit Stars gearbeitet, denen der Angstschweiß im Gesicht stand, weil sie für den guten Zweck mit Löwen, Eisbären oder Würgeschlangen in die Manege mussten. Ich traf Menschen, die mein Leben bereichert und solche, die an meinen Nerven gesägt haben. Und Dieter Bohlen! Für den gilt beides.

Die Einschaltquote war stets der Zeugnistag.
Ich hatte oft Zeugnistag! Wenn die Zahlen tief unten im Quotental hocken, grinsten sie mich hämisch an. Als Verantwortliche loderst stets du im Feuer. Während einer dieser Redaktions-“Grillsitzungen“ zischte ich der Kollegin neben mir zu: „Ich sattel um und werd‘ Schreiner. Dann bau‘ ich nur noch völlig diskussionsfreie Tische. Vier Beine mit Platte drauf. Wackelfrei! Zackbum!“ Ich mochte Tische immer schon. Tische an denen man essen, streiten und Gedichte schreiben kann. Mir war nicht klar, dass ich in dieser Redaktionskonferenz ziemlich genau beschrieben hatte, wohin mein Weg führen würde. Zunächst aber erfand ich weiter bienenfleißig Sendungen und ließ die bunte Fernsehwelt weiter an meinen Kräften rütteln. In der Ferne machte sich aber -ohne das ich dies ahnte- ein Mensch bereit, mir meinen Weg zu zeigen. Der kleinste Mann, mit dem ich es je zu tun hatte, sollte dafür sorgen, dass ich mein Leben änderte.

In diesen Tagen bemühte ich mich außerdem eine glückliche Ehe zu führen und eine Gastgeberin zu sein, die Freunden und Weggefährten jederzeit Herz und Haus öffnete.
Für eine Weile glaubte ich tatsächlich, dass ein ruhigeres Leben sich unmittelbar einstellen würde, wenn man die Großstadt verließe. Also suchten und fanden wir ein Haus auf dem Land. Mir gefiel die Vorstellung, in weiten, karierten Hemden zwischen meinen Apfelbäumen zu lustwandeln, um im Herbst die Früchte von den Bäumen zu schütteln und herrliches Apfelmus daraus zu kochen. Und trotzdem ging alles so weiter wie bisher. Ich arbeitete viel, genoss mein Zuhause wenig und wurde schwanger. Ich malte mir wieder in den schönsten Farben aus, wie herrlich das Leben mit Kind auf dem Land sein würde. Ich würde den Brei aus selbst angebautem Gemüse zubereiten und mir am Wochenende wunderbare Einschaltquotenmagneten ausdenken, wenn das Baby schliefe. Abends würde ich stets pünktlich aus der Redaktion nach Hause fahren und wenn wir eine liebevolle Kinderfrau fänden, wäre das alles mit links zu organisieren.

Und dann kam mein Sohn Tim auf die Welt.
Als ich ihn das erste Mal im Arm hielt, war klar, dass diese 49 Zentimeter kostbares, wunderbares Leben ganz andere Pläne mit mir hatten. Tim half mir zu sortieren in „wichtig und richtig“ und in „aus und vorbei“! Er dirigierte mich wortlos. Ausschließlich mit seinen mundwasserblauen Augen.
Es dauerte nicht lange, bis ich mein altes Berufsleben hinter mich ließ und Tim tatsächlich mit selbstgemachtem Apfelmus groß wurde. Er konnte Beeren von den Sträuchern naschen und im Kartoffelbeet buddeln.
Bei uns auf dem Land gab es einen Mann, der Haushaltsauflösungen machte. Seine Beutestücke lagerte er in meterlangen Regalreihen und unzähligen Kartons in einer Halle. Wir waren oft dort draußen. Tim war stets auf der Suche nach Werkzeug. Meist fand er irgendwo einen Hammer oder eine Zange. Dann holte er sein Kinderportemonaie heraus und verhandelte mit Peter Putz, dem Haushaltsauflöser, den bestmöglichen Preis. Mein Glück war perfekt, wenn ich obendrein ein Schränkchen fand oder ein paar Tischbeine aus denen ich ein Untergestell für das Waschbecken im Gästeklo bauen konnte.
Und ich lernte! Jeden Tag! Ich lernte schleifen, umleimen und mit Holz und Lack umzugehen

Flohmärkte zu besuchen wurde unser liebstes Hobby.
Die Mutter auf der Suche nach neuen Schätzen für unser Haus und der Sohn schaute nach Playmobilmännchen. Rauschende Feste, klingende Namen, teure Handtaschen… Tempi passati! Das Glück liegt in den kleinen Dingen. Ich hab’s wirklich ausprobiert.
Als Tim anfing an größeren Reisen Spaß zu haben, sind wir nach Frankreich gefahren oder haben in London morgens um 5 auf dem Bermondsey Flohmarkt Schatzsucher gespielt. Auch heute noch geht Tim von Zeit zu Zeit gern mit mir auf Flohmärkte. Inzwischen ist die amerikanische Ostküste unser liebstes Beuterevier geworden. Tim hält Ausschau nach Raritäten für sein Angelhobby und ich verlasse nie einen Flohmarkt ohne alte „Ball“-Gläser.

Es ist ein großes Geschenk, wenn man die Fähigkeit besitzt, wahre Schönheit zu erkennen.
Allerdings ist es nicht immer ein Spaziergang wenn man die Schönheit des Charakters einzelner Menschen einer genaueren Betrachtung unterzieht. Ich lernte, mich nicht mehr vor der Wahrheit zu fürchten und mein Blick wurde immer klarer. Mehr und mehr ließ ich los, was mir nicht guttat und schaffte es, Trennungen auszuhalten. Ich trennte mich von Möbeln, die nicht zu mir passten und von Designerkostümen und Stöckelschuhen. Ich trennte mich auch von einer ganzen Reihe Menschen und habe dadurch viel Raum in meinem Herzen wiedererlangt.

Ich begann anderen dabei zu helfen, aus ihren Häusern ein Zuhause zu machen.
Zwei selbst renovierte Häuser und eine Scheidung später fing ich an über meine Beobachtungen zu schreiben. Darüber, wieviel das Wohnen mit unserem tiefsten Inneren zu tun hat. Es ist meine feste Überzeugung, dass uns Krisen weniger anhaben können, wenn wir in der Lage sind, unser Zuhause zu genießen. Ein Zuhause, das uns gefällt, hilft ganz enorm, wenn das Leben uns Turbulenzen schickt.
Inzwischen habe darüber sechs Bücher geschrieben. Gutes Lesefutter und herrliche Bilder.
Kein einziges Foto ist je im Studio gemacht worden. Die Accessoires sind keine hastig eingekauften „Stehrümchen“, sondern Dinge aus meinem wahren Leben. Die meisten Bilder sind in meinem Haus gemacht worden. Manche aber auch bei Menschen, bei denen ich mich wie zuhause fühle.
Alle Fotos in meinen Wohnbüchern entstanden in enger Zusammenarbeit mit Sonia Folkmann. Sonia ist eine wunderbare Fotografin. Sobald sie am Motiv erscheint, macht das Tageslicht was Sonia will. Ich finde, beim Betrachten ihrer Fotos kann man immer auch unsere Freundschaft spüren.

In meinem neuen Buch betrete ich mit dem Thema Sauerteig Neuland.
Als mein Sohn plötzlich auf Weizenmehl mit starken Kopfschmerzen reagierte, machten wir per Ausschlussverfahren Weizenmehl als Übeltäter aus. Ich fing an, mich mit Getreide und Brot zu beschäftigen und entdeckte den Sauerteig. Ich fand heraus, dass Sauerteig nicht nur Brote gesund und bekömmlich macht, sondern auch gut für die Seele ist. Warum? Weil er das Zeug zum Lehrmeister hat!

Sauerteig bringt uns Geduld und Vertrauen bei und lehrt uns wie gut es tut, von Zeit zu Zeit die Kontrolle abzugeben.
Über diese grandiose Erfahrung habe ich mein siebtes Buch geschrieben.
„Sauerteig – Glück vermehrt sich in vier Tagen“ … Sauerteig zu züchten und damit zu backen ist ein Abenteuer. Eines das in jeder Küche beginnen kann und uns eine neue Sicht auf die Dinge beschert.
Ich finde, jeder sollte ein Glas Sauerteig im Kühlschrank haben, denn Sauerteig ist viel mehr als ein Backtriebmittel.

Es hat einmal jemand gesagt, bei Büchern handele es sich „um dickere Briefe an Freunde“…
Der Spruch stammt aus einer Zeit als Blogs noch nicht erfunden waren. Jedes meiner Bücher habe ich stets als dicken Brief an Freunde empfunden und mit diesem Blog ist es nicht anders.
Nun kann ich so oft ich will Eilbriefe schreiben und muss nicht mehr warten muss bis ein Buch gedruckt oder eine Kolumne veröffentlicht ist.

Der Blog Raumseele ist ein echtes Online-Magazin für Frauen geworden.
Mit allen Themen, die in unserem Leben wichtig sind. Ein Online-Magazin für erwachsene Frauen, die begonnen haben, sich selbst endlich den Stellenwert zu geben, der ihnen zusteht.
Raumseele ist eine Community. Wir reden miteinander und sind stolz auf unsere Schwarmintelligenz. Geballtes Wissen und Verstehen, zu dem jede Raumseele jeden Tag etwas beitragen kann.
Ich mag diesen Blog und die Frauen, die sich hier versammeln sehr!

Herzlich willkommen!

Eure

Martina Goernemann

 

Mein neues Buch

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